Repariercafé Jena: Wegwerfen? Denkste!

(Foto: Johannes Mügge/RADIO OKJ)

Habt ihr auch manchmal das Gefühl, dass Geräte so gebaut, dass sie nach der Garantie kaputt gehen und nicht mehr zu reparieren sind? Manche sagen, das täten die Hersteller mit Absicht. Sollte da etwas dran sein, haben sie einen erbitterten Gegner in Jena: das Repariercafé.

Draußen ist ein ungewöhnlich warmer Nachmittag im Februar. Trotzdem trifft man sich heute lieber drinnen bei Kaffee und Kuchen, Lötzinn und Nähgarn. Viele Leute mit ihren kaputten Dingen sind schon da und melden sich an.

Doch vor Beginn des Repariercafés versammeln sich alle Helferinnen und Helfer zu ihrer Liturgie. „Wegwerfen? Denkste!“ ist ihre Parole, die sie rufen wollen. Heute geht das schief, aber das kann ja mal passieren, das kann man reparieren. Beim zweiten Anlauf stimmt der Text und es geht los.

Die Person mit der Nummer E1 wird aufgerufen. E steht für Elektronik. 1 heißt, sie ist heute die erste. Repariert wird alles, oft auch improvisiert – das gehört dazu. Zum Beispiel gibt es hier einen DVD-Player, dessen Lade klemmt. Nach einigen Handgriffen wird klar, ein kleiner Riemen, der den Elektromotor mit der restlichen Mechanik verbindet, hat aufgegeben. Ersetzt wird er durch einen Haushaltsgummi. Und das geht? Ja, das geht.

(Clip: Johannes Mügge/RADIO OKJ)

Es ist nur ein kleines Stück Gummi, das den großen DVD-Player daran hindert, seinen Dienst zu leisten. Stefan ist eigentlich Softwareentwickler. Er erklärt mir:

Das kann man so pauschal schon so sagen, dass es oft kleine Dinge sind, die im Prinzip dazu führen, dass das ganze Gerät nicht mehr funktioniert.

Stefan

Während Stefan mit mir spricht, nimmt er den Pürierstab auseinander, den Andreas aus der Küche seiner Mutter mitgebracht hat.

Mit Küchengeräten kenne ich mich nicht so aus. Aber ich habe vom Repariercafé gehört und da hab ich gedacht, da bring ich das mal mit.

Andreas

Tja, und auch bei diesem Stück weißer Ware ist es nur ein winziger Ring, der verschlissen ist. Trotzdem geht hier erstmal gar nichts. Aber dafür gibt es ja Stefan und viele weitere helfende Hände, die löten, schrauben, nähen und was man sonst noch so tun kann.

Tatsächlich ist Stefan dem Problem jetzt ein Stück näher gekommen. Es hat zwar ziemlich geknackt, aber wir sind im Inneren der Pürierstabs angekommen.

Es gibt Geräte, die lassen sich sehr gut öffnen und reparieren. Es gibt Geräte, da kriegt man Schreianfälle, wenn man sie auf macht. Das ist jetzt so ein Mittelmaß. Es ging irgendwie auf zu machen. Man hat relativ schnell den Fehler finden können. Aber es ist halt doch beim auf Machen ein bisschen was weggebrochen, wodurch es später schwierig ist, das Gerät zu zu machen.

Stefan

Ich sehe, was er meint. Er hat gerade mit einer Säge ein Stück Plastik aus dem Stab entfernt. Ob das die Mutter von Andreas jetzt noch gut findet, ist erstmal egal. Hier wurde der Ehrgeiz geweckt.

Damit sich die Mutter von Andreas aber nicht mehr ärgern muss, ist die Chefin der Grünen Bundestagsfraktion Katrin Göring-Eckardt zu Besuch. Was die Möglichkeit der Reparierbarkeit von Geräten angeht, hat ihre Partei konkrete Pläne. Und da fängt das Repariercafé an, politisch zu werden.

Politisch deswegen, weil wir uns viele Gedanken gemacht haben, wie man auch politisch dafür sorgen kann, dass wieder mehr Sachen repariert werden können. Deswegen haben wir im Europawahlprogramm jetzt das Recht auf Reparatur aufgenommen. Das würde natürlich in sehr vielerlei Hinsicht richtig was ändern. Das andere ist, was ich hier erlebe: Das ist noch viel mehr, als dass was repariert wird. Leute treffen sich, Leute lernen sich kennen, quatschen miteinander. Sie haben ein altes Gerät, das ewig auf dem Boden lag, holen es runter und wollen damit noch etwas machen. Das ist noch so viel mehr wert als alles andere. Dass es das in Jena und anderen Städten gibt, zeigt, dass es auch danach das Bedürfnis gibt.

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen im deutschen Bundestag

Das ist auch mein Eindruck. Es geht hier im Repariercafé eher um das Miteinander, dann natürlich ums Reparieren. Politisch geht es hier nicht wirklich zu. Aber wahrscheinlich würden sich hier einige Menschen sehr über das Recht auf Reperatur freuen.